Die häufigsten Mythen über Chiptuning – und was wirklich stimmt

Das Chiptuning ist eine Methode, um die Leistung eines Fahrzeugs zu steigern, indem die Motorsteuerungssoftware verändert wird. Durch Anpassungen an Parametern wie Kraftstoffzufuhr, Zündzeitpunkt und Ladedruck kann die Motorleistung optimiert werden. Dies kann zu einer Erhöhung der PS und des Drehmoments führen – oft bei gleichzeitig verbessertem Kraftstoffverbrauch.

Chiptuning hat viele Vorteile und den ein oder anderen Nachteil. Doch auch einige Mythen sind in Umlauf. Fünf davon schauen wir uns in diesem Artikel genauer an und erklären, ob sie wahr oder falsch sind.

Kann ich Chiptuning selber machen?

Der Einbau einer Tuning-Box beispielsweise ist vergleichsweise einfach und kann mithilfe einer bebilderten Einbauanleitung in den meisten Fällen auch durch einen Laien durchgeführt werden. Dafür braucht es lediglich etwas Fingerspitzengefühl.

Dennoch wird generell der Einbau durch einen erfahrenen Profi empfohlen. Insbesondere, wenn es um die Umprogrammierungen des Steuergerätes geht. Denn die Gefahr, dabei Schäden anzurichten, die im Worst Case das Steuergerät oder den Motor beschädigen, ist groß. Und der Einbau durch einen Experten gewährleistet zudem die Sicherheit im Straßenverkehr.

Verschiedene Methoden für Chiptuning

Im Grunde gibt es verschiedene Methoden, mit denen Sie Ihr Fahrzeug tunen können:

  • Programmierung des Motorsteuergerätes (OBD2): Autos mit Zulassungsdatum nach 2000 verfügen über eine standardisierte Schnittstelle zur Fahrzeugdiagnose. Oft kann über diese auch die Software des Motorsteuergerätes ausgelesen und überschrieben werden. Das geschieht entweder über den OBD-Stecker im Fahrzeug oder direkt am Chip auf der Platine.
  • Löten: Was, wenn mein Fahrzeug noch keinen Prozessor hat? Dann werden die auf dem Steuergerät sitzenden Chips ausgelötet, mit einem speziellen Tool überschrieben und schließlich wieder eingesetzt. Oder Sie verwenden gleich einen ganz neuen Chip.
  • Tuning-Box: Die Tuning-Box wird zwischen Sensoren und Motorsteuergerät geschaltet und ändert die Messdaten der Sensoren. Das Modul gaukelt dem Steuergerät also andere Werte vor, was dazu führt, dass mehr Kraftstoff eingespritzt oder der Ladedruck erhöht wird.

Mythos 1: Chiptuning ist illegal

Antwort: Nein. Grundsätzlich ist Chiptuning tatsächlich legal, solange die Änderungen dem Gesetz entsprechend durchgeführt werden. Das heißt, eine Abnahme durch den TÜV ist in Deutschland Pflicht. Ohne diese Prüfung kann das Tuning also sehr wohl illegal sein.

Generell muss jede Veränderung der Motorleistung eines Autos über eine Genehmigung verfügen. Hat der Tuning-Anbieter selbst kein Prüfgutachten, müssen Sie sich selbst darum kümmern. Dann ist nämlich eine Einzelabnahme nötig, die unter Umständen sogar mehr kostet als das Tuning selbst. Ohne entsprechende Genehmigung erlischt die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs.

Mythos 2: Chiptuning ist immer schlecht für den Motor

Antwort: Nein. Hier kommt es immer auf die Qualität des Tunings an. Schlecht durchgeführtes Tuning kann sicherlich den Motor schädigen bzw. den Verschleiß erhöhen, was zu Lasten der Lebensdauer geht.

Doch professionell durchgeführtes Chiptuning bleibt in der Regel im sicheren Bereich der Motorleistung. So wird der Motor nicht über seine Leistungsgrenzen hinaus belastet und die Schutz- sowie Diagnosefunktionen der Steuergeräte – vonseiten der Hersteller – bleiben vollständig erhalten. So wird die Lebensdauer des Motors nicht entscheidend beeinflusst.

Mythos 3: Chiptuning erhöht immer den Kraftstoffverbrauch

Antwort: Nein. Generell kommt es immer auf die individuelle Fahrweise an. Durch die erhöhte Einspritzmenge ist nach einem Chiptuning teilweise mit einem deutlich höheren Kraftstoffverbrauch zu rechnen. Insbesondere dann, wenn Sie die Leistungssteigerung voll ausschöpfen.

Tatsächlich kann die Effizienz in bestimmten Drehzahlbereichen sogar verbessert werden. Und das wiederum senkt den Verbrauch um bis zu 15 Prozent. Das gesteigerte Drehmoment macht den Motor zudem elastischer, wodurch Sie im Stadtverkehr mit weniger Schaltvorgängen fahren können.

Mythos 4: Ein Chiptuning funktioniert bei allen Autos gleich gut

Antwort: Jein. Im Grunde können Chiptunings bei allen Autos durchgeführt werden. Allerdings lohnt es sich nicht immer. Manchmal ist nämlich die Leistungssteigerung im Verhältnis zum Preis nicht hoch genug. Am höchsten ist das Potenzial für eine Leistungssteigerung bei Turbo-Dieseln und Turbo-Benzinern.

Weniger erfolgreich sind Tunings bei Saugmotoren, denn der Motor benötigt mehr Luft und mehr Kraftstoff für eine Leistungssteigerung. Und die Luftzufuhr zum Motor lässt sich nur bei aufgeladenen Motoren elektronisch steigern. Ausnahme sind wenige Saugmotoren mit einer quasi gedrosselten Motorsteuerung. Hier sind durch Software-Eingriffe nennenswerte Leistungssteigerungen möglich.

Mythos 5: Ein Chiptuning kann nicht nachgewiesen werden

Antwort: Jein. Moderne Systeme speichern oft Protokolle, die auf eine Veränderung in der Motorsteuerung hinweisen. Dadurch kann der Garantieanspruch verloren gehen. Derweil gibt es aber auch Quellen, die besagen, dass das Tuning nach Ausbau des Zusatzsteuergerätes technisch nicht mehr nachgewiesen werden kann.

Haben Sie vor, einen Gebrauchtwagen zu kaufen, sollte dieser Punkt ausdrücklich im Kaufvertrag festgehalten sein. Immerhin geht es um Garantien, Versicherung und Steuern – dazu später mehr. Dazu fügen Sie dem Kaufvertrag beispielsweise eine Formulierung wie “Das Auto war von [Datum] bis [Datum] gechiptunt und hatte laut Anbieter eine Mehrleistung von [Zahl] PS.” oder “Das Auto war nie gechiptunt.”.

Wie steht es um die Garantie nach dem Chiptuning?

Im Schadensfall ist es oft schwer zu beweisen, was tatsächlich der Grund für den Defekt war. Auch für Sachverständige ist das Gutachten häufig eine Herausforderung. Doch viele Anbieter geben auf das Chiptuning eine Garantie.

Wie viel kostet Chiptuning?

Die Kosten für ein Chiptuning variieren stark, abhängig von der Art des Tunings und davon, ob Sie es selbst durchführen oder es von Profis machen lassen. Die Gesamtkosten setzen sich zusammen aus dem Preis für das Tuning selbst, der Eintragung beim TÜV sowie den Mehrkosten für Versicherung und Steuer.

Kosten für das Tuning selbst

Beim Preis kommt es in erster Linie auf die Art des Tunings an. Während es Tuning-Boxen schon für 20 Euro gibt, kostet teurere Varianten schon um die 300 Euro, während das individuelle Chiptuning beim Profi je nach Motor zwischen 500 und 1000 Euro kostet.

Wie viel kostet die Eintragung beim TÜV?

Damit die Kfz-Zulassung nicht erlischt, ist es wichtig, dass Sie das Chiptuning auch vom TÜV abnehmen und in die Fahrzeugpapiere eintragen lassen. Die Abnahme kostet, sofern bereits ein Teilegutachten oder eine ABE vom Anbieter vorliegt, meist nur 30 bis 50 Euro. Ist das nicht der Fall, braucht es eine Einzelabnahme, die nicht selten mehrere Hundert Euro kostet. Achten Sie bei der Suche eines Tuners also darauf, dass dieser für das Chiptuning bereits Teilegutachten oder ABE anbietet. Die Eintragung in den Fahrzeugschein kostet nochmal rund 20 Euro.

Wird meine Kfz-Versicherung teurer?

Wie gesagt, muss die Mehrleistung des Autos in die Fahrzeugpapiere eingetragen und entsprechend auch der Versicherung gemeldet werden. Dadurch wird der Tarif zwar unter Umständen etwas teurer, jedoch sind Sie damit auf der sicheren Seite. Denn wird ein Tuning verschwiegen, haben Sie spätestens im Schadensfall Probleme mit der Versicherung.

Mehr Steuer für getunte Autos?

Hier kommt es immer auf den individuellen Fall an. Seit dem 1. Juli 2009 bemisst sich der Steuerbetrag nach Hubraum sowie CO2-Ausstoß. Und da der Wagen durch die Leistungssteigerung häufig auch mehr CO2 ausstößt, liegt der Steuerbetrag meist höher als bei nicht getunten Autos.

FAQ

Ist Chiptuning für ältere Fahrzeuge möglich?
Ja, Chiptuning ist auch für ältere Fahrzeuge möglich, jedoch hängt es von der Motorsteuerung ab. Bei älteren Modellen ohne OBD2-Schnittstelle kann das Tuning über den direkten Zugriff auf die Steuergeräte durchgeführt werden.

Kann Chiptuning rückgängig gemacht werden?
Ja, Chiptuning kann rückgängig gemacht werden. Die Originaleinstellungen des Motorsteuergeräts können bei Bedarf wiederhergestellt werden, zum Beispiel vor dem Verkauf des Fahrzeugs.

Verliere ich meinen Versicherungsschutz durch Chiptuning?
Ein Chiptuning muss der Versicherung gemeldet werden, da es die Fahrzeugleistung verändert. Dadurch kann der Versicherungsbeitrag steigen. Verschweigt man das Tuning, kann dies im Schadensfall Probleme mit der Versicherung verursachen.